Montag, 2. Januar 2017

Das Walmesser

Die Faröer Inseln sind ein guter Ort, um vor der Welt zu fliehen. Das denkt sich auch Andrew John Callum, als er vor seiner Vergangenheit davonläuft und genau auf diesem Flecken Erde landet. Schon bald merkt er, dass die Menschen komplett anders ticken als auf dem Festland, was ihm nur recht sein kann. Sein Vorhaben, zurückgezogen ein neues Leben aufzubauen, scheitert kläglich, als er Karis Lisberg kennenlernt, die es ihm schon bald angetan hat.

Und damit nehmen die Dinge der Abwärtsspirale seinen Lauf. Denn kurze Zeit später wird Aaron Dam, Karis Ex und Johns Rivale, tot aufgefunden. Wo der Verdacht wohl hinfällt? Natürlich, John gerät ins Fadenkreuz der Ermittlungen und aufgrund seiner Vergangenheit ist er sich selbst nicht 100 Prozent sicher, ob er selbst Aaron ermordet hat. Nun heißt es also seine inneren Dämonen bekämpfen und die Situation selbst in die Hand nehmen. Ein Wettlauf mit den Polizisten beginnt.

Der Protagonist dieses Krimis, Andrew John Callum, wirkt einerseits sehr mysteriös, andererseits in manchen Teilen nicht glaubwürdig. Durch seine Vergangenheit, die immer wieder angesprochen, aber nicht konkret erwähnt wird, bleibt offen, ob John ein Schlägertyp ist. Der Leser bekommt das Gefühl, es mit einem Menschen zu tun zu haben, der für alles bereit ist und sich sein Leben lang durch brenzlige Situationen geboxt hat. Dennoch kann ich nicht umhin, ihm seine Masche des mysteriösen Fremden nicht abzukaufen. Gerade wenn er seine Gefühle analysiert wirkt er eher wie ein zurückhaltender Mensch, der seine Umgebung zwar genau wahrnimmt, aber nicht immer gleich auf 180 ist. Leider bekommt man generell nicht so viele Einblicke in den Protagonisten, obwohl alles aus seiner Perspektive geschildert wird.

Auch alle anderen Charaktere kommen mir immer wieder ein wenig zu kurz und sind teilweise stereotypisch dargestellt. Das Mädchen, dass es zu Retten gilt, erscheint als launische Naturgewalt. Dann gibt es da noch den typischen Raufbold, den Pfarrer (der mir ein wenig zu viel Wut im Bauch mit rumträgt), der gute Kumpel mit undurchsichtigen Absichten und eine Familie, die an das Gute im Menschen glaubt und John bei sich aufnimmt.

Die Handlung selbst fand ich in Ordnung. Ein Mann, der vor sich selbst flieht. Eine Frau, die ihn in Schwierigkeiten bringt. Ein Mord, den er wahrscheinlich gar nicht begannen hat. Gute Zutaten für einen spannenden Krimi. Und dann wird das alles noch in Szene gesetzt in der unwirtlichen Umgebung der Faröer Inseln, wo die Uhr irgendwie anders tickt. Mein Interesse war schon bei der Ansicht des Covers geweckt, das nur wenig den Blick auf den möglichen Handlungsort freigibt, aber dennoch genug, um zu wissen, dass es dort immer windig, kühl und regnerisch ist. Und ich wurde nicht enttäuscht, denn die Szenerie war wirklich nett dargestellt.

Das Walmesser - C.R. Neilson
Taschenbuch: 512 Seiten
Verlag: Wilhelm Heyne Verlag, München. Januar 2017
ISBN: 978-3-4534-1967-4

Sonntag, 25. September 2016

Der Circle

Wir schreiben das 21. Jahrhundert und damit das digitale Zeitalter. Mae Holland ist 24 Jahre alt und möchte mehr sein, als nur ein einfaches Mädchen ohne genaue Zielrichtung. Eine große Chance bietet sich, als das Internetunternehmen Circle sie einstellt, um an der Überwindung der Anonymität der Menschen zu arbeiten und dadurch eine vermeintlich bessere Welt zu erschaffen. Das Ziel von Circle und den drei Gründern ist eine übergreifende Plattform, die persönliche Daten einer Person in einem Account speichert, sowie Tools, die allen Menschen uneingeschränkten Zugriff zum Wissen jedes einzelnen gibt. Mae ist von dieser Idee absolut angetan und bemüht sich, einen Beitrag zu leisten, um den Circle zu vollenden. Schnell steigt sie im Unternehmen auf und wird nicht nur zu einer wichtigen Person im Circle, sondern auch zu einer der ersten vollständig gläsernen Menschen auf dem Campus und in der aktuellen Welt.

Dienstag, 7. Juni 2016

Das zufällige Leben des Homer Idlewilde

Homer gehört zu den Menschen, die im Leben scheinbar nichts geleistet haben. Er ist ein Vagabund, der weder einen Job noch ein Heim hat und der sich mit seinem besten Freund eine komische Aktion nach der anderen leistet.

Doch als er eines Nachts eine Sternschnuppe sieht und sich wünscht, einmal im Leben etwas Großes zu leisten, scheint sich alles zu verändern. Seine Freundin, eine Prostituierte, ist schwanger, er entlarvt Umweltsünder und bekommt daraufhin eine Stelle als Förster. Doch kann er das alles halten? Und wie wird sich Homer in die normale Welt einreihen, die sich an Regeln und Gesetze hält?


Dienstag, 17. Mai 2016

Black Rabbit Hall

1968 - die Welt der Altertons scheint absolut in Ordnung. Dafür sorgen vor allem die Zeiten auf dem Anwesen in Schottland, dessen Haus sie alle liebevoll Black Rabbit Hall nennen. Bis eine Tragödie eintritt und das Leben der Familie Altertons komplett auf den Kopf stellt.

Rund dreißig Jahre später begibt sich Lorna Smith mit ihrem Verlobten auf den Weg, um die perfekte Location für ihre Trauung zu finden. Unerklärlicherweise zieht es sie auf das Anwesen der Altertons und sie entscheidet sich, diesem Gefühl auf den Grund zu gehen.

Montag, 16. Mai 2016

Der Augensammler

Alexander Zorbach ist ein gezeichneter Mann. Nachdem ein Einsatz, der mit einer geistig verwirrten Frau und einem neugeborenen Baby zu tun hat, schief geht, wechselt er vom Polizeidienst in die Medienbranche, um über die sensationellen Dinge in der Stadt Berlin zu berichten. Seitdem ist nichts mehr, wie es war...seine Familie steht vor einem Scheiterhaufen, er ist mit seinem Job nur bedingt im Reinen. Und es scheint noch schlimmer zu werden. Denn der Augensammler, der bereits dreimal zugeschlagen und jeweils eine Frau und ein Kind auf dem Gewissen hat, hat es auf ihn abgesehen.

Sonntag, 15. Mai 2016

Die Auserwählten - In der Brandwüste

Nur wenige Lichter haben es geschafft, aus dem Labyrinth herauszukommen. Darunter befinden sich Thomas, Teresa, Newt und Minho. Inzwischen wissen sie, dass sie Teil eines Experiments sind, damit einem Virus-Ausbruch zusammenhängt. Kurz nach ihrer Flucht, werden sie von einer Rebellengruppe aufgelesen und in eine Art Camp gebracht, um sich dort auszuruhen. Doch diese Pause währt nicht lange, denn sie werden von Virus-Infizierten (sogenannten Cranks) angegriffen und dazu gezwungen, die sichere Unterkunft zu verlassen. Zudem haben sie aufgrund einer neuen Aufgabe schlichtweg keine Wahl, als sich in die unwirtliche Brandwüste zu begeben, wenn sie überleben wollen.

Freitag, 18. März 2016

Tschick

Zwei pubertierende Jungs: einer stammt aus einem Berliner Vorort, der andere kommt aus Russland und nimmt es mit dem Gesetz nicht so genau. Dazu gebe man ein paar rebellische Gedanken und einen geklauten Lada und schon beginnt der Roadtrip des Lebens.

Donnerstag, 4. Februar 2016

Mosquito

Der Große Woog, der Badesee in Darmstadt, ist normalerweise ein Ort, an dem sich die Darmstädter, Schwimmgruppen sowie Besucher von außerhalb im Sommer die Zeit vertreiben und sich von Zeit zu Zeit eine Abkühlung verschaffen. Doch nicht an dem Tag, als die Leiche eines Mannes auf dem Grund gefunden wird.

Sonntag, 31. Januar 2016

Die Clifton Saga - Spiel der Zeit

Bristol der 1930er Jahre ist rau und unnachgiebig. Das muss Harry Clifton jeden Tag erkennen. Der Junge lebt mit seiner Mutter Maisie als Arbeiterkind in den Hafendocks der Stadt. Seinen Vater hat er nie kennengelernt, da dieser im Krieg gefallen sein soll. Für Harry ist klar, dass er, genauso wie sein Onkel Stan, später an den Docks arbeiten wird. Doch das Schicksal hält andere Pläne für ihn bereit.

Donnerstag, 5. November 2015

Ich bin wieder zurück

Hallo meine Lieben,

ich bin endlich wieder zurück und brenne darauf, wieder neue Buchrezensionen zu schreiben. Warum ich abwesend war? Ihr kennt das ja, Hochzeit, Flitterwochen, Gründung einer Tierschutzorganisation. Nichts Großes  ;)

Aber jetzt bin ich wieder da und habe auch schon ein paar Besprechungen in petto. Die nächsten Tage werden also wieder einige Beiträge hier auftauchen.

LG, Anja

Mittwoch, 19. August 2015

Kellerkind

Eine Tote, ein verdächtiger 14-Jähriger und ein durchtriebener Vater. Hannes Brandl, Elli Schuster und Michael Waechter stehen vor einem Mordfall, der ihnen mehr graue Haare als erwartet beschweren wird. Dabei haben sie selbst auch privat alle Hände voll zu tun.

Dienstag, 4. August 2015

Leseproben sind der Wahnsinn


Ich kann immer nicht an mich halten. Jedes Mal, wenn ich im Thalia bin, erwische ich mich, wie ich nach einer dieser tollen Leseproben angle. Sie sind so klein, handlich und haben es doch drauf, mir einen schönen Einblick in das Buch zu geben.

Bis jetzt wurde ich noch nie von diesen Mini-Büchern enttäuscht, immer war etwas dabei, wo ich dachte: "Yap, das Buch kaufst du dir."

Geht es euch auch so? Welche Leseproben habt ihr bei euch zu Hause? Oder mögt ihr die Dinger gar nicht so gerne?

Dienstag, 14. Juli 2015

Jurassic World

Quelle: www.moviepilot.de
Es sind ein paar Jahre nach dem Vorfall auf Isla Nublar vergangen, Jurassic Park ist wieder aufgebaut worden. Und es ist besser als je zuvor. Die neue Jurassic World ist die Attraktion der Menschen von heute. Täglich strömen Tausende Menschen zur Insel, um sich die vielen Dinosaurier im Themenpark anzuschauen.

Sonntag, 12. Juli 2015

Percy Jackson - Diebe im Olymp

Percy ist kein normaler Junge. Er ist bereits von mehreren Schulen geflogen, lebt mit seiner Mutter und seinem unerträglichen Stiefvater zusammen und hat aufgrund seiner ADHS Schwierigkeiten, in der Schule mitzukommen und Freunde zu haben. Hinzukommt, dass an seiner Schule immer wieder unerklärliche Dinge passieren. Erst greift ihn seine Lehrerin in Form einer Harpyie an und dann sieht er drei Frauen einen Faden messen und abschneiden.

Als er mit seiner Mutter einen kleinen Ausflug macht, taucht plötzlich Grover, sein bester Freund, auf. Von da an geht alles super schnell. Seine Mutter versucht Percy auf schnellstem Wege ins Camp Halfblood zu bringen, während die drei von einem Minotaurus angegriffen werden. Percy wird sich bewusst, dass er ganz gewiss kein normaler Junge ist.

Nachdem Percy dort nicht nur angekommen und von den Bewohnern aufgenommen worden ist, sondern auch von seinem leiblichen Vater als Poseidons Sohn anerkannt wird, gerät der Junge in große Schwierigkeiten. Zeus' Herrscherblitz ist verschwunden und der Göttervater beschuldigt Percy, diesen gestohlen zu haben. Da keiner ihn davon überzeugen kann, dass dem nicht so ist, machen sich Percy, Anabeth (die Tochter der Athene) und Grover zu einem Abenteuer auf, um den Blitz bis zur Sommersonnenwende zurückzubringen. Doch werden sie es schaffen? Welche Probleme und Schwierigkeiten ereilen sie auf ihrem Trip?

Was soll ich zu diesem Buch großartig sagen? Gekauft habe ich mir das Buch, weil ich absolut auf griechische Mythologie stehe. Schon immer habe ich mich dazu belesen und alle Infomationen dazu aufgenommen. Das Buch habe innerhalb einer Woche verschlungen. Die Story war so packend und die Charaktere sind so toll beschrieben, dass ich mich richtig in dieses Buch verliebt habe. Vor allem Luke gehörte zu meinen Lieblingen.

Rick Riordan hat es sehr gut hinbekommen, das Thema der griechischen Mythologie in ein Jugendbuch zu packen. Es ist nicht zu komplex aber auch nicht all zu einfach und platt aufgebaut. Verschiedene Geschichten wurden in den Plot erfolgreich eingebaut, was mir ein noch größeres Lesevergnügen beschert hat.

Diebe im Olymp - Rick Riordan
Taschenbuch: 446 Seiten
Verlag: Carlsen Verlag, Hamburg. 2006.
ISBN: 978-3-551-31058-3

Mittwoch, 8. Juli 2015

Tintenwelt - Tintentod

Staubfinger ist tot, Fenoglio schreibt nicht mehr für seine Bücherwelt und Mo ist zum Eichelhäher geworden. Fast tragisch beginnt der dritte und letzte Band der Trilogie.

In ihrer Verzweiflung liest Meggie Orpheus herbei, doch dieser macht sich durch seine Schreibkunst schnell zum reichsten Mann Ombras. Auch ist er erbost darüber, dass Staubfinger, sein Lieblingscharakter, gestorben ist und bietet deshalb den Weißen Frauen einen fiesen Tausch an. Mo soll als Staubfingers Ersatz dienen, doch weiß dieser noch nichts davon.

Als Mo endlich mit den Weißen Frauen in Verbindung tritt, wird schnell klar, dass diese ihn nicht haben wollen, sondern den Natterkopf. Denn Mo hat mit dem leeren Buch, welches dem Natterkopf scheinbar ewiges Leben verleiht, das Gefüge über Leben und Tod durcheinander gebracht. Aus diesem Grund wollen die Weißen Frauen, dass Mo dafür sorgt, dass der Natterkopf durch das Buch stirbt. Sie entlassen vorerst wieder ins Leben und geben ihnen auch Staubfinger wieder mit, was alle erfreuen sollte.

Kurze Zeit später ist Mo ins Netz von Violante gegangen, die ihn aber überraschenderweise als Spion gegen ihren Vater, den Natterkopf, einsetzen möchte. Nachdem der Pfeifer alle Kinder gefangen genommen hat, um den Eichelhäher hervorzulocken, fliehen Mo und Violante auf die ehemalige Burg ihrer Mutter. Auch Staubfinger ist mit von der Partie, um an Mos Seite zu kämpfen.

Man fragt sich immer wieder: Wie wird die Geschichte ausgehen? Wird Mo es schaffen? Wird die Tintenwelt wieder so, wie sie einst war?

Das letzte Buch hat mich aufgrund seiner Komplexität, Verwobenheit, geistigen Tiefe und Emotionen wahnsinnig beeindruckt. Cornelia Funke hat es geschafft, die Story nicht zu Ende zu führen, sondern auch alles so abzurunden, dass die Welt des Buches real wird. Jeder Charakter hat seine Bewandnis und seine Berechtigung. Keiner kommt zu kurz. Für mich war die tollste Neuigkeit, dass Staubfinger wieder in die Welt der Lebenden zurückkehren durfte. Er war für mich von Anfang an ein Held, vor allem, als er für Farid in den Tod ging. Auch Meggie gehörte zu den Charakteren, die sich super entwickelt haben. Sie ist tapfer, geistreich und so voller Elan. Einen Teil trägt wahrscheinlich ihre aufkeimende Liebe zu Farid. Der andere Teil ist ihre Bande mit Mo und Resa, die ihr super wichtig sind.

Schade, dass es vorbei ist. Aber auf jeden Fall gibt es kein offenes Ende oder nicht geschlossene Lücken. Well done, Cornelia Funke!

Tintentod - Cornelia Funke
Taschenbuch, 768 Seiten
Verlag: Oetinger Taschenbuch, Hamburg
ISBN: 978-3-8415-0014-4

Mittwoch, 1. Juli 2015

Niceville

Alles beginnt mit dem mysteriösen Verschwinden von Rainey Teague und seinem plötzlichen Auftauchen in einer Gruft. In der Kleinstadt Niceville, im Süden der USA, passieren immer wieder schrecklich und teils unerklärliche Dinge. Zane, Danziger und Coker überfallen eine Bank und erschießen auf der anschließenden Verfolgungsjagd vier Polizisten. Eine alte Dame und ihr Gärtner verschwinden spurlos und lassen Nick Kavanaugh vor Rätseln stehen. Was passiert in Niceville? Liegt ein Fluch auf der Stadt?

Der Klappentext hat mich sofort zu Buch greifen lassen. Ich dachte mir, dass Niceville absolut in mein Leseschema passt. Doch leider wurde ich etwas enttäuscht. Erwartet habe ich eine Story, die die ganze Stadt ein wenig in Nebel hüllt und den Leser das Unheimliche verdammt nah bringt. Doch leider plätscherte die Geschichte so nach und nach vor sich hin. Es gab keinerlei großartige Spitzen im Geschehen. Weder der Streit zwischen den Bankräubern, noch die Abschlussszene von Nick und Kate mit dem vermeintlichen Geist. Alles glich einer bloßen Beschreibung, die durch Kapitel mit den verschiedenen Charakteren immer wieder aufgelöst worden ist.

Auch die Charaktere waren mir zu eintönig. Ja, das Buch lieferte Beschreibung zur Person, aber man konnte nur selten einen Charakterzug daraus entnehmen. Für mich gehört Nick noch zu den am besten beschriebenen Charakteren, allerdings fehlte mir die Tiefe.

Ein Lichtblick, der mich das Buch durchlesen ließ, war die ziemlich gute Schreibe. Deshalb werde ich auch die anderen beiden Bücher dieser Trilogie lesen, um zu erfahren, was weiter passiert. Vielleicht wird das ja alles doch noch besser. Ich bin gespannt!

Niceville - Carsten Stroud
Taschenbuch: 506 Seiten
Verlag: DuMont Buchverlag, Köln. März 2013.
ISBN: 978-3-8321-6212-2

Samstag, 27. Juni 2015

Ein Mann namens Ove

Jeden Morgen geht Ove eine Kontrollrunde. Er inspiziert alles, was in seinem Wohnviertel so vor sich geht und notiert, wenn ein Straßenschild schief oder gar falsch hängt. Ove ist ein Nachbar, der gern seine Routine hat und vor allem gern allein gelassen werden möchte. Scheint der absolute Höllennachbar zu sein, oder nicht?
Was allerdings viele nicht wissen ist, dass seine Frau gestorben ist und er nicht mehr weiß, was er eigentlich noch auf dieser Welt soll. Er trifft also sämtliche Vorkehrungen für seinen Abgang, doch kommt es gar nicht dazu, denn als eine neue Familie nebenan einzieht, geht es bei ihm drunter und drüber. So ist ans Sterben nicht zu denken und für Ove beginnt ein neuer Abschnitt in seinem Leben.

Ich bin eigentlich gar nicht so ein Typ für solche Romane. Doch als eine Freundin mir dieses Buch gab und ich anfing, darin zu lesen, war ich begeistert. Fredrik Backman hat es geschafft, dass ich dieses Buch buchstäblich verschlungen habe. Denn um mal ehrlich zu sein, jeder kennt doch den grummeligen Nachbarn von nebenan und macht sich heimlich darüber lustig, dass er doch scheinbar keinen Spaß mehr im Leben hat. Wenn man dann noch hinter die Fassade des Nachbarn, in diesem Fall Ove, blicken kann, weiß man, dass es nicht nur Schwarz und Weiß gibt und jeder einen Grund hat, warum ein Mensch eben so ist wie er ist.
Außerdem habe ich schon ein paar Tränchen während des Lesens verdrückt, denn zu sehen, wie Ove eigentlich still und heimlich unter dem Verlust seiner geliebten Sonja leidet, wird so einfach dargestellt, dass man es nachvollziehen kann. Doch gab es nicht nur Tränen, auch Lächeln war angesagt, denn die Familie rund um Parvaneh hält Ove ziemlich auf Trap und obwohl er das gar nicht gut findet, kommt er nicht umhin, diese Menschen in sein Herz zu schließen und langsam doch einen Sinn in seinem Leben sehen zu können.

Man kann also sagen, eine rundum gelungene Geschichte. Ich bin gespannt auf mehr aus der Feder von Fredrik Backman.

Ein Mann namens Ove - Fredrik Backman
Hardcover: 368 Seiten
Verlag: FISCHER Krüger, Frankfurt am Main. 2012.
ISBN: 978-3-8105-0480-7

Samstag, 20. Juni 2015

Inglorious Basterds - Das Drehbuch

Ich möchte hier gar nicht zu sehr auf den Inhalt des Films eingehen, sondern eher auf die Entstehung  dieses Stücks und die damit Bedeutung für mich.
Quentin Tarantino gehörte seit jeher zu meinen Lieblingsregisseuren. Angefangen hat alles mit Kill Bill. Doch ließ Der gute Herr 2000 oder 2001 verlauten, dass er ein Drehbuch geschrieben hätte, dass sein Meisterstück sein könne. Thematisch in den Zweiten Weltkrieg gelegt war ich natürlich gleich Feuer und Flamme.

Doch leider kam weiterhin nichts. Ständige Änderungen am Drehbuch, am Genre und kein fester Start der Produktion ließen mich doch irgendwann bezweifeln, ob dieser Film wirklich das Licht der Welt erblicken würde. Stattdessen drehte Tarantino zwei weitere Filme, erst Kill Bill No.2 und Death Proof.
Als dann Tarantino nach Berlin kam, um sich die Filmstudio in Babelsberg anzuschauen, brodelte die Gerüchteküche. Auch ich war super gespannt. Noch bis jetzt kann ich mich an die Unterhaltung mit meinem Cousin erinnern, ob das geleakte Drehbuch nun echt ist oder nicht. Wir entschieden uns dafür, dass es echt sein musste.

Die Vorfreude wurde immer größer als der große Manitu, äh ich meine Tarantino, den Film bei den Festspielen in Cannes einreichte. Es wurde plötzlich alles so real. In Deutschland kam er dann, ich habe eben kurz nachgesehen, 2009 in die Kinos und somit 8 Jahre nach den ersten Aussagen zum Film.

Der Film ist der Oberknaller für mich gewesen. Nicht nur die Art, wie alles in Szene gesetzt worden ist, hat mich fasziniert. Auch das Casting war einfach genial. Christoph Waltz als Hans Landa war zum Gruseln. Man hatte immer wieder das Gefühl, er könnte mit seiner Rolle auch einen selbst dazu bringen, zu gestehen, man sei Jude. Doch auch Brad Pitt war super cool. Als Lieutenant Aldo Raine war er der perfekte Gegenspieler zu Landa, ohne dass sich die beiden im Film ständig gegenüber standen. Die für mich beste Szene war das Kino, in dem Shosanna die Regierungsmitglieder des Dritten Reichs während der Kinovorstellung einsperrt und verbrennt. Dicht gefolgt wird diese von Lieblingdsszene Nr. 2: die Schießerei in der französischen Taverne.

Die Veröffentlichung des Drehbuchs war dann natürlich das i-Tüpfelchen für mich. Deshalb landete es natürlich gleich in meinem Bücherregal. Ich hab es jetzt schon mehrmals gelesen und werde es bestimmt in der nächsten Zeit wieder zur Hand nehmen.

Inglorious Basterds - Das Drehbuch
Aus dem Englischen von Walter Ahlers
Taschenbuch: 256 Seiten
Verlag: Luchterhand Literaturverlag, München. August 2009.
ISBN: 978-3-630-62179-1

Mittwoch, 3. Juni 2015

Tintenwelt - Tintenblut

Der zweite Teil des Buches spielt sich in der Tintenwelt ab. Meggie, nun mit Vater UND Mutter vereint, kann nicht aufhören, sich die Geschichten über die Welt hinter den Buchseiten anzuhören. Sie packt eine Sehnsucht, die sie ihren Eltern nicht erklären kann. Mo ist natürlich dagegen, weil er schon seine Frau Resa fast durch diese Welt verloren hatte, und Resa hat genug schlimme Dinge dort erlebt, die sie ihrer Tochter ersparen möchte.
Doch Meggie wäre nicht Resas Tochter, wenn sie nicht einen Weg finden könnte, selbst in das Buch einzutauchen. Dass Staubfinger bereits von Orpheus (einem selbsternannten Schüler des Buchautors Fenoglio) hinübergelesen wurde und Farid ihm natürlich nachlaufen möchte, kommt Meggie da absolut gelegen.
Während Meggie und Farid in der Tintenwelt ihre eigenen Erfahrungen machen, versuchen Mo und Resa ihr hinterher zu jagen, um sie zu beschützen. Gemeinsam mit Basta und Mortola liest Orpheus die beiden hinüber und überlässt sie dort ihrem Schicksal mit den Gegnern.
Das Abenteuer in der Buchwelt verspricht turbulent zu werden. Erst wird Mo angeschossen, dann werden die beiden vom Natternkopf entführt und auf die Nachtburg gebracht. Meggie muss mit der Hilfe von Staubfinger und dem Schwarzen Prinzen versuchen, die beiden zu retten, bevor sie entgültig ohne Eltern da steht.

Diesen Teil habe ich fast noch mehr genossen, wenn man das überhaupt so sagen kann. Mein heimlicher Held Staubfinger wird ohne direkten Einfluss zur Hauptfigur erhoben. Denn diese Welt gehört ihm, er kennt sie in- und auswendig. Auch das Heranwachsen von Farid und Meggie zu beobachten, hat mich schier in freudiges Lächeln versetzt. Cornelia Funke schafft es in diesem Buch einmal mehr, den Leser auf eine Reise mitzunehmen. Es ist ein Jugendbuch mit auch teilweise ernsten Tönen, die keineswegs belehren wollen. Mir machte es Spaß, die Nachtburg in meinen Gedanken abzuschreiten. All die Gänge und Räume erschienen wie von selbst von meinem inneren Auge. Auch der Weglose Wald kam mir unheimlich vor.

Es passiert mir nur selten, dass ich den zweiten Teil besser finde, als den ersten. Aber bei diesem Werk kann ich nur sagen, dass Leser des ersten Buches bestimmt nicht enttäuscht sein werden.

Tintentod - Cornelia Funke
Taschenbuch, 736 Seiten
Verlag: Oetinger Taschenbuch, Hamburg.
ISBN: 978-3-8415-0013-7

Montag, 25. Mai 2015

Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry

Harold Fry ist seit ein paar Monaten Pensionär. Seine Frau Maureen und er leben schon seit vielen Jahren nur noch nebenher und haben sich nichts mehr zu sagen. Eines Tages kommt ein Brief ins Hause Fry geflattert, der das Leben beider Menschen verändern soll. Queenie, Harolds ehemalige Kollegin, liegt mit Krebs im Krankenhaus in Berwick upon Tweed. Harold entscheidet sich, nach kleinen inneren Debatten, dass eine kurze Rückantwort nicht reicht und er Queenie besuchen muss. So macht er sich also von Kingsbridge zu Fuß auf, um das Unmögliche zu tun. Auf seinem Weg begegnet er vielen Menschen, die alle selber verschiedene Schicksale haben und schöpft immer wieder Mut, um weiter zu laufen. Sein Glaube, dass Queenie auf ihn warten wird, beflügelt ihn auch an schlechten Tagen immer wieder. Doch wird er es tatsächlich schaffen? Und wird Queenie warten oder ist der Krebs am Ende doch stärker?

Dieser Roman hat meine Sichtweise auf das Leben an die richtige Stelle gerückt. Wie schafft es ein pensionierter Mensch, der nur noch seinem normalen Alltagstrott folgt, sich zu so einer anstrengenden und nervenaufreibenden Reise über 700 Kilometer aufzumachen, nur mit Segelschuhen gesohlt? Das Buch zeigt, dass der Glaube an eine höhere Sache und an sich selbst für das menschliche Dasein ungemein wichtig sind. Nur so kann man den sprichwörtlichen Fuß von den anderen setzen. Harold Fry und sein Vorhaben sind eine einzige Metapher dafür, dass Menschen immer nach etwas streben sollten, um durchs Leben zu kommen und vor allem nicht das Leben an sich vorbei ziehen zu lassen.

Ich habe Tränen verdrückt, herzlich gelacht und immer wieder zustimmend genickt. Das Buch trifft den Nagel einfach auf den Kopf...ein absolut geniales Leseerlebnis. Ich habe mir vorgenommen, mehr wie Harold Fry zu leben und immer nach dem Unmöglichen zu greifen.

Auch wenn ein paar Übersetzungen ins Deutsche unbeholfen wirkten, konnte ich darüber hinwegsehen und das Buch in vollen Zügen genießen.

Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry - Rachel Joyce
Taschenbuch: 384 Seiten
Verlag: S. Fischer Verlag, Frankfurt a. Main. Mai 2012
ISBN: 978-3-8105-1079-2