Jeden Morgen geht Ove eine Kontrollrunde. Er inspiziert alles, was in seinem Wohnviertel so vor sich geht und notiert, wenn ein Straßenschild schief oder gar falsch hängt. Ove ist ein Nachbar, der gern seine Routine hat und vor allem gern allein gelassen werden möchte. Scheint der absolute Höllennachbar zu sein, oder nicht?
Was allerdings viele nicht wissen ist, dass seine Frau gestorben ist und er nicht mehr weiß, was er eigentlich noch auf dieser Welt soll. Er trifft also sämtliche Vorkehrungen für seinen Abgang, doch kommt es gar nicht dazu, denn als eine neue Familie nebenan einzieht, geht es bei ihm drunter und drüber. So ist ans Sterben nicht zu denken und für Ove beginnt ein neuer Abschnitt in seinem Leben.
Ich bin eigentlich gar nicht so ein Typ für solche Romane. Doch als eine Freundin mir dieses Buch gab und ich anfing, darin zu lesen, war ich begeistert. Fredrik Backman hat es geschafft, dass ich dieses Buch buchstäblich verschlungen habe. Denn um mal ehrlich zu sein, jeder kennt doch den grummeligen Nachbarn von nebenan und macht sich heimlich darüber lustig, dass er doch scheinbar keinen Spaß mehr im Leben hat. Wenn man dann noch hinter die Fassade des Nachbarn, in diesem Fall Ove, blicken kann, weiß man, dass es nicht nur Schwarz und Weiß gibt und jeder einen Grund hat, warum ein Mensch eben so ist wie er ist.
Außerdem habe ich schon ein paar Tränchen während des Lesens verdrückt, denn zu sehen, wie Ove eigentlich still und heimlich unter dem Verlust seiner geliebten Sonja leidet, wird so einfach dargestellt, dass man es nachvollziehen kann. Doch gab es nicht nur Tränen, auch Lächeln war angesagt, denn die Familie rund um Parvaneh hält Ove ziemlich auf Trap und obwohl er das gar nicht gut findet, kommt er nicht umhin, diese Menschen in sein Herz zu schließen und langsam doch einen Sinn in seinem Leben sehen zu können.
Man kann also sagen, eine rundum gelungene Geschichte. Ich bin gespannt auf mehr aus der Feder von Fredrik Backman.
Ein Mann namens Ove - Fredrik Backman
Hardcover: 368 Seiten
Verlag: FISCHER Krüger, Frankfurt am Main. 2012.
ISBN: 978-3-8105-0480-7
Samstag, 27. Juni 2015
Samstag, 20. Juni 2015
Inglorious Basterds - Das Drehbuch
Ich möchte hier gar nicht zu sehr auf den Inhalt des Films eingehen, sondern eher auf die Entstehung dieses Stücks und die damit Bedeutung für mich.
Quentin Tarantino gehörte seit jeher zu meinen Lieblingsregisseuren. Angefangen hat alles mit Kill Bill. Doch ließ Der gute Herr 2000 oder 2001 verlauten, dass er ein Drehbuch geschrieben hätte, dass sein Meisterstück sein könne. Thematisch in den Zweiten Weltkrieg gelegt war ich natürlich gleich Feuer und Flamme.
Doch leider kam weiterhin nichts. Ständige Änderungen am Drehbuch, am Genre und kein fester Start der Produktion ließen mich doch irgendwann bezweifeln, ob dieser Film wirklich das Licht der Welt erblicken würde. Stattdessen drehte Tarantino zwei weitere Filme, erst Kill Bill No.2 und Death Proof.
Als dann Tarantino nach Berlin kam, um sich die Filmstudio in Babelsberg anzuschauen, brodelte die Gerüchteküche. Auch ich war super gespannt. Noch bis jetzt kann ich mich an die Unterhaltung mit meinem Cousin erinnern, ob das geleakte Drehbuch nun echt ist oder nicht. Wir entschieden uns dafür, dass es echt sein musste.
Die Vorfreude wurde immer größer als der große Manitu, äh ich meine Tarantino, den Film bei den Festspielen in Cannes einreichte. Es wurde plötzlich alles so real. In Deutschland kam er dann, ich habe eben kurz nachgesehen, 2009 in die Kinos und somit 8 Jahre nach den ersten Aussagen zum Film.
Der Film ist der Oberknaller für mich gewesen. Nicht nur die Art, wie alles in Szene gesetzt worden ist, hat mich fasziniert. Auch das Casting war einfach genial. Christoph Waltz als Hans Landa war zum Gruseln. Man hatte immer wieder das Gefühl, er könnte mit seiner Rolle auch einen selbst dazu bringen, zu gestehen, man sei Jude. Doch auch Brad Pitt war super cool. Als Lieutenant Aldo Raine war er der perfekte Gegenspieler zu Landa, ohne dass sich die beiden im Film ständig gegenüber standen. Die für mich beste Szene war das Kino, in dem Shosanna die Regierungsmitglieder des Dritten Reichs während der Kinovorstellung einsperrt und verbrennt. Dicht gefolgt wird diese von Lieblingdsszene Nr. 2: die Schießerei in der französischen Taverne.
Die Veröffentlichung des Drehbuchs war dann natürlich das i-Tüpfelchen für mich. Deshalb landete es natürlich gleich in meinem Bücherregal. Ich hab es jetzt schon mehrmals gelesen und werde es bestimmt in der nächsten Zeit wieder zur Hand nehmen.
Inglorious Basterds - Das Drehbuch
Aus dem Englischen von Walter Ahlers
Taschenbuch: 256 Seiten
Verlag: Luchterhand Literaturverlag, München. August 2009.
ISBN: 978-3-630-62179-1
Aus dem Englischen von Walter Ahlers
Taschenbuch: 256 Seiten
Verlag: Luchterhand Literaturverlag, München. August 2009.
ISBN: 978-3-630-62179-1
Mittwoch, 3. Juni 2015
Tintenwelt - Tintenblut
Doch Meggie wäre nicht Resas Tochter, wenn sie nicht einen Weg finden könnte, selbst in das Buch einzutauchen. Dass Staubfinger bereits von Orpheus (einem selbsternannten Schüler des Buchautors Fenoglio) hinübergelesen wurde und Farid ihm natürlich nachlaufen möchte, kommt Meggie da absolut gelegen.
Während Meggie und Farid in der Tintenwelt ihre eigenen Erfahrungen machen, versuchen Mo und Resa ihr hinterher zu jagen, um sie zu beschützen. Gemeinsam mit Basta und Mortola liest Orpheus die beiden hinüber und überlässt sie dort ihrem Schicksal mit den Gegnern.
Das Abenteuer in der Buchwelt verspricht turbulent zu werden. Erst wird Mo angeschossen, dann werden die beiden vom Natternkopf entführt und auf die Nachtburg gebracht. Meggie muss mit der Hilfe von Staubfinger und dem Schwarzen Prinzen versuchen, die beiden zu retten, bevor sie entgültig ohne Eltern da steht.
Diesen Teil habe ich fast noch mehr genossen, wenn man das überhaupt so sagen kann. Mein heimlicher Held Staubfinger wird ohne direkten Einfluss zur Hauptfigur erhoben. Denn diese Welt gehört ihm, er kennt sie in- und auswendig. Auch das Heranwachsen von Farid und Meggie zu beobachten, hat mich schier in freudiges Lächeln versetzt. Cornelia Funke schafft es in diesem Buch einmal mehr, den Leser auf eine Reise mitzunehmen. Es ist ein Jugendbuch mit auch teilweise ernsten Tönen, die keineswegs belehren wollen. Mir machte es Spaß, die Nachtburg in meinen Gedanken abzuschreiten. All die Gänge und Räume erschienen wie von selbst von meinem inneren Auge. Auch der Weglose Wald kam mir unheimlich vor.
Es passiert mir nur selten, dass ich den zweiten Teil besser finde, als den ersten. Aber bei diesem Werk kann ich nur sagen, dass Leser des ersten Buches bestimmt nicht enttäuscht sein werden.
Tintentod - Cornelia Funke
Taschenbuch, 736 Seiten
Verlag: Oetinger Taschenbuch, Hamburg.
ISBN: 978-3-8415-0013-7
Montag, 25. Mai 2015
Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry
Harold Fry ist seit ein paar Monaten Pensionär. Seine Frau Maureen und er leben schon seit vielen Jahren nur noch nebenher und haben sich nichts mehr zu sagen. Eines Tages kommt ein Brief ins Hause Fry geflattert, der das Leben beider Menschen verändern soll. Queenie, Harolds ehemalige Kollegin, liegt mit Krebs im Krankenhaus in Berwick upon Tweed. Harold entscheidet sich, nach kleinen inneren Debatten, dass eine kurze Rückantwort nicht reicht und er Queenie besuchen muss. So macht er sich also von Kingsbridge zu Fuß auf, um das Unmögliche zu tun. Auf seinem Weg begegnet er vielen Menschen, die alle selber verschiedene Schicksale haben und schöpft immer wieder Mut, um weiter zu laufen. Sein Glaube, dass Queenie auf ihn warten wird, beflügelt ihn auch an schlechten Tagen immer wieder. Doch wird er es tatsächlich schaffen? Und wird Queenie warten oder ist der Krebs am Ende doch stärker?
Dieser Roman hat meine Sichtweise auf das Leben an die richtige Stelle gerückt. Wie schafft es ein pensionierter Mensch, der nur noch seinem normalen Alltagstrott folgt, sich zu so einer anstrengenden und nervenaufreibenden Reise über 700 Kilometer aufzumachen, nur mit Segelschuhen gesohlt? Das Buch zeigt, dass der Glaube an eine höhere Sache und an sich selbst für das menschliche Dasein ungemein wichtig sind. Nur so kann man den sprichwörtlichen Fuß von den anderen setzen. Harold Fry und sein Vorhaben sind eine einzige Metapher dafür, dass Menschen immer nach etwas streben sollten, um durchs Leben zu kommen und vor allem nicht das Leben an sich vorbei ziehen zu lassen.
Ich habe Tränen verdrückt, herzlich gelacht und immer wieder zustimmend genickt. Das Buch trifft den Nagel einfach auf den Kopf...ein absolut geniales Leseerlebnis. Ich habe mir vorgenommen, mehr wie Harold Fry zu leben und immer nach dem Unmöglichen zu greifen.
Auch wenn ein paar Übersetzungen ins Deutsche unbeholfen wirkten, konnte ich darüber hinwegsehen und das Buch in vollen Zügen genießen.
Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry - Rachel Joyce
Taschenbuch: 384 Seiten
Verlag: S. Fischer Verlag, Frankfurt a. Main. Mai 2012
ISBN: 978-3-8105-1079-2
Auch wenn ein paar Übersetzungen ins Deutsche unbeholfen wirkten, konnte ich darüber hinwegsehen und das Buch in vollen Zügen genießen.
Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry - Rachel Joyce
Taschenbuch: 384 Seiten
Verlag: S. Fischer Verlag, Frankfurt a. Main. Mai 2012
ISBN: 978-3-8105-1079-2
Samstag, 16. Mai 2015
Darkly Dreaming Dexter
Dexter Morgan ist Blutspurenanalyst in Miami. Immer zuvorkommend und nett. Für die Menschen in seiner Umgebung lebt er ein unauffälliges und eintöniges Leben. Doch hinter seiner Maskerade steckt ein Killer, der nachts all die Gauner und Verbrecher zur Rechenschaft zieht, die durch das Raster des Gesetzes fallen. Nach einem traumatischen Ereignis in Dexters Kindheit hat sein Adoptivvater von eben dieser "Begabung" erfahren und bereits frühzeitig eben dieses Verlangen, Lebewesen zu töten, kanalisiert. Die Regel ist denkbar einfach: Keine Unschuldigen töten.
So lebt Dexter sein Leben in Miami, tags arbeitet er bei der Polizei, nachts geht er auf Verbrecherjagd. Doch als ein zweiter Serienkiller in der Stadt ist, ist Dexter in der Klemme. Hilft er seiner Schwester Deborah, die auch bei der Polizei arbeitet, den Killer zu fassen oder versucht er sich selbst mit ihm zu messen? Er ist hin und her gerissen, seine Gedanken schwirren um Fragmente seiner Vergangenheit und die Gegenwart.
Als sich herausstellt, dass der zweite Serienkiller Dexters Bruder ist, spitzt sich die Sache zu. Denn Brian will sich und Dexter als Familie und Serienkiller vereinen. Doch Dexter hat ja auch seine Schwester Deborah, die für ihn seine eigentliche Familie ist. Wird Brian es schaffen, Dexter komplett auf die dunkle Seite zu ziehen?
Ich habe die Serie gesehen und ich muss sagen: WOW! Das Buch ist noch ein klein wenig rücksichtsloser und blutiger als die Serie es zu sein vermag. Sehr gut finde ich die inneren Monologe, die Dexter immer wieder führt. So erfährt man, was in einem verkorksten Menschen wie Dexter vorgeht. Er spricht innerlich immer wieder mit Harry, seinem Adoptivvater, und versucht seinen Kodex einzuhalten. Doch das Leben spielt nun mal immer anders mit und so kommen Dexters Regeln immer wieder ins Wanken. Jeff Lindsay hat es sehr gut geschafft, eine düstere Atmosphäre aufzubauen und hält sie das ganze Buch lang aufrecht. Die einzelnen Sätze strotzen nur so von Dramatik und so konnte ich das Buch kaum weglegen. Bin gespannt auf das zweite Buch. Wenn ich es in die Finger bekomme, dann wird es sofort gelesen.
Darkly Dreaming Dexter - Jeff Lindsay
Taschenbuch: 288 Seiten
Verlag: Orion House Ltd, London. Juli 2005
ISBN: 978-0-7528-6574-4
So lebt Dexter sein Leben in Miami, tags arbeitet er bei der Polizei, nachts geht er auf Verbrecherjagd. Doch als ein zweiter Serienkiller in der Stadt ist, ist Dexter in der Klemme. Hilft er seiner Schwester Deborah, die auch bei der Polizei arbeitet, den Killer zu fassen oder versucht er sich selbst mit ihm zu messen? Er ist hin und her gerissen, seine Gedanken schwirren um Fragmente seiner Vergangenheit und die Gegenwart.
Als sich herausstellt, dass der zweite Serienkiller Dexters Bruder ist, spitzt sich die Sache zu. Denn Brian will sich und Dexter als Familie und Serienkiller vereinen. Doch Dexter hat ja auch seine Schwester Deborah, die für ihn seine eigentliche Familie ist. Wird Brian es schaffen, Dexter komplett auf die dunkle Seite zu ziehen?
Ich habe die Serie gesehen und ich muss sagen: WOW! Das Buch ist noch ein klein wenig rücksichtsloser und blutiger als die Serie es zu sein vermag. Sehr gut finde ich die inneren Monologe, die Dexter immer wieder führt. So erfährt man, was in einem verkorksten Menschen wie Dexter vorgeht. Er spricht innerlich immer wieder mit Harry, seinem Adoptivvater, und versucht seinen Kodex einzuhalten. Doch das Leben spielt nun mal immer anders mit und so kommen Dexters Regeln immer wieder ins Wanken. Jeff Lindsay hat es sehr gut geschafft, eine düstere Atmosphäre aufzubauen und hält sie das ganze Buch lang aufrecht. Die einzelnen Sätze strotzen nur so von Dramatik und so konnte ich das Buch kaum weglegen. Bin gespannt auf das zweite Buch. Wenn ich es in die Finger bekomme, dann wird es sofort gelesen.
Darkly Dreaming Dexter - Jeff Lindsay
Taschenbuch: 288 Seiten
Verlag: Orion House Ltd, London. Juli 2005
ISBN: 978-0-7528-6574-4
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